04.06.2019

IG Metall Jugend Hagen: Gespräch mit den MdBs Röspel & Kaptschak

Der Ortsjugendausschuss der IG Metall in Hagen hat Politiker aus der näheren Umgebung zum Austausch eingeladen. Am 22.05.2019 sind Herr René Röspel und Herr Ralf Kaptschak dieser Einladung gefolgt und es folgte eine offene Runde zum Thema "BBiG-Novellierung" und "Ausbildung besser machen".

Am vergangenen Mittwoch hat sich der Ortsjugendausschuss zusammen mit den Politikern der SPD über Themen ausgetauscht, die gerade die örtliche Jugend sehr bewegt. Den rund 15 jungen ArbeitnehmerInnen und Arbeitnehmern, aus örtlichen Betrieben, war es wichtig den Politikern ihre Arbeitswelt und Realität näher zu bringen. Kernforderungen der IG Metall Jugend, die aus Umfragen und Austausch mit der Jugend formuliert worden sind, wurden an diesem Nachmittag adressiert und unterstrichen.

Ein großes Thema war die Mindestausbildungsvergütung, die auch bundesweit ein großes Thema ist. Wir sind froh, dass wir die gleiche Meinung wie Herr Röspel und Herr Kapschak teilen, denn die Mindestausbildungsvergütung ist schon lange überfällig und auf ein Meilenstein in die richtige Richtung, doch sehen wir weiterhin Potential zur Verbesserung und können den Worten von Herrn Kapschak nur zustimmen. Dieser vergleicht die MiAV mit dem Mindestlohn, der "auch kein guter Lohn ist".

 

Eine weitere Forderung ist die gesetzliche Gleichstellung der Dual Studierenden mit Auszubildenden. Die IG Metall Jugend fordert diese Gleichstellung, da dieses Ausbildungsmodell gerade bei jungen Menschen, aber auch bei Arbeitgebern immer attraktiver wird. Junge Menschen werden in kürzester Zeit sehr gut ausgebildet und haben neben dem IHK-Abschluss, der vor allem die praktischen Tätigkeiten vermittelt, wird ebenfalls nach kurzer Zeit einen Bachelor-Abschluss, der es erlaubt hochqualifizierten Tätigkeiten nachzugehen, abgeschlossen. Zurzeit befindet sich diese junge ArbeitnehmerInnengruppe in einem rechtsfreien Raum, da sie nicht in dem, gerade für die Ausbildung relevanten, BBiG berücksichtigt werden. Herr Röspel und Herr Kaptschak verstehen die Dringlichkeit dieses Themas und werden dieses in ihren Ausschüssen anbringen. Sie können sich nicht vorstellen, welchen Grund es geben sollte, die Dual Studierenden nicht ins BBiG aufzunehmen.

Die Lehr- und Lernmittelfreiheit wurde ebenfalls thematisiert. Bei diesem Thema sind alle Berufsgruppen betroffen, aber gerade das Handwerk hat dabei die größten Probleme. Hier ist es der IG Metall wichtig, sich auch mit Branchen zu solidarisieren, die nicht unter die hervorragenden Tarifverträge fallen und sich immer irgendwie selbst durchschlagen müssen. Wir möchten, dass ArbeitgeberInnen ihre Auszubildenden unterstützen und zum Beispiel einer Friseurin das passende Arbeitsmaterial, wie einem Scherenset, das mehrere hundert Euro kostet, zur Verfügung stellt. Solch ein Set ist als Auszubildende selbst bei der oben angesprochenen Mindestausbildungsvergütung finanziell nicht stemmbar, wenn man ein eigenständiges Leben finanzieren will.

Zu dem Thema "Übernahme" wird neben der Forderung der unbefristeten Übernahme auch die Ankündigung der Übernahme angesprochen. Für junge Menschen ist eine zukunftssichernde Perspektive unabdingbar. Sie möchten mit der Ausbildung eine Grundlage schaffen, auf die sie ihre Zukunft aufbauen können, was sich aber als schwierig gestaltet, wenn man sich in einem befristeten Arbeitsvertrag befindet. Junge ArbeitnehmerInnen haben nicht die Freiheit weiter als 3 bis 3 1/2 Jahre vorauszuplanen und müssen bis zum letzten Tag der Ausbildung darauf hoffen, eine weitere Anstellung zu haben. Um Gewissheit während des letzten Jahres der Ausbildung zu haben, fordern wir die Betriebe auf, ihren Auszubildenden mindestens 3 Monate vor Ausbildungsende mitzuteilen, ob sie sich eine weitere Zukunft mit den angehenden Jungfacharbeitern vorstellen können. Denn falls nicht, haben Auszubildende genug Zeit um sich anderweitig zu bewerben und sich rechtzeitig beim Arbeitsamt als arbeitssuchend zu melden ohne Kürzungen der Leistungen zu erwarten, die man befürchten muss, wenn man sich zu spät meldet. Auch hier können Herr Röspel und Herr Kapschak die Notwendigkeit nachvollziehen und sehen bei der Ankündigung keine Gegenargumente.

Herr Röspel und Herr Kapschak ließen während der Runde oft, das für uns sehr wichtige Thema Tarifautonimie fallen. Sie berichten aus der Vergangenheit, in der oft von Gewerkschaften gefordert worden ist, nicht alles gesetzlich zu regeln, damit Gewerkschaften weiterhin einen freien Raum haben, um Forderungen für ihre Mitglieder zu formulieren. In einigen Bereichen, die wir angesprochen haben bzw. Fordern, sehen die zwei Herren ebenfalls Potential für Tarifforderungen. Ihnen ist wichtig, dass Gewerkschaften weiterhin attraktiv für ArbeitnehmerInnen bleiben. Diese Attraktivität könnte schwinden, wenn man alle Forderungen gesetzlich regeln und somit die Tarifflucht der ArbeitgeberInnen fördern würde.

Wir bedanken uns bei den Organisatoren, den Kolleginnen und Kollegen der IG Metall Hagen, den Kolleginnen und Kollegen unserer Politiker René Röspel und Herrn Kapschak, selbstverständlich auch Herrn Röspel und Herrn Kapschak selbst, für ihre Zeit und ihr Interesse und wir danken den Kolleginnen und Kollegen der IG Metall Jugend vor Ort für ihr Engagement und ihre Hartnäckigkeit.

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