04.03.2020

Wohngeld für Auszubildende – gerechte Chancen von Anfang an.

Irgendwann ist es soweit: Man will oder muss sogar raus. Das Elternhaus verlassen. Auf eigenen Beinen stehen und für sich selbst ein Leben aufbauen. Bei mir war irgendwann in der Oberstufe klar, dass das jetzt sein muss.  Mein eigenes Geld verdienen, meine eigene Herrin sein und meine eigene kleine Wohnung haben – das war es, was ich wollte und was mir meine neuer Ausbildungsplatz versprach! Ich war bereit, das Leben mit beiden Händen zu packen.

Doch die Realität war wie eine kalte Dusche. Allein für die Miete musste ich schon über die Hälfte meiner Ausbildungsvergütung berappen. Autofahren, kochen, ausgehen? Was davon wollte ich mir leisten? Was konnte ich mir überhaupt leisten? Fast jeder Schritt konnte zur Belastung werden und jede Ausgabe war eine riesengroße Entscheidung.

Trotz Ausbildung und Arbeit reichte das Geld oft einfach hinten und vorne nicht. Es ging mehr darum, zu überleben, als sich ein eigenes Leben aufzubauen. Wohlstand durch Leistung? Wirklich nicht. Regelmäßig hatte ich ein bis drei Minijobs neben meiner normalen Arbeitsbelastung als Auszubildende. Am Wochenende noch kellnern gehen. Nur so gelang es, irgendwie über die Runden zu kommen.

Und ich war damit nicht alleine. Vielen meiner Arbeitskolleginnen und Kollegen erging es ebenso. Wenn die Eltern nicht weiter unterstützen konnten, dann war das Projekt „eigenes Leben aufbauen“ eine beinah nicht zu stemmende Riesenaufgabe. Was also tun?

Manche machten überhaupt keine Ausbildung oder brachen sie ab, weil sie in Leiharbeit wesentlich mehr verdienten und nur so über die Runden kamen. Dass das keine Zukunft hatte, war allen klar. Wenn sie den Job verloren, standen sie ohne Ausbildung, ohne Zukunft, ohne alles da. Aber was sollten sie machen, wenn sie eine Familie zu versorgen hatten? Wenn das Geld einfach nicht reichte? Wenn keiner finanziell unterstützen konnte?

Ich finde, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte, eine Ausbildung zu machen – auch oder gerade wenn das Geld der Eltern nicht reicht. Ich finde, dass es nicht sein kann, dass Leiharbeit und unsichere Beschäftigungsverhältnisse lukrativer sind, als eine Ausbildungsstelle.

Deshalb bin ich für die Bezahlung eines Wohngelds seitens der Unternehmen für Auszubildende – damit wir es den Menschen möglich machen, sich ihr eigenes Leben aufzubauen, um überhaupt Teil unserer Gesellschaft sein zu können. Wir haben es in der Hand – und zwar indem wir in die Zukunft von Menschen investieren, anstatt in wachsende Gewinne von Unternehmen.

 

Marie Grigo 

Kommentar

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